Orientierungslauf – abgekürzt OL – verbindet Laufsport und Orientierungssinn: Man orientiert sich mithilfe von Karte und Kompass und läuft meist im Wald, in der schönsten Sportarena der Welt, von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt. Diese Punkte werden Posten genannt. Orientierungsläuferinnen und Orientierungsläufer erbringen somit gleichzeitig körperliche und geistige Höchstleistungen. Diese wechselseitige Beziehung fordert nicht nur läuferische Kondition, sondern auch eine hohe Konzentrationsfähigkeit beim Orientieren, weshalb nur eine gute Kombination von beidem zum Erfolg führt. Die Posten sind auf der OL-Karte eingezeichnet und müssen in der vorgegebenen Reihenfolge angelaufen werden. Der Weg von einem Posten zum anderen bestimmt jede Läuferin und jeder Läufer selbst.
Die Schwierigkeit liegt darin, auf der Karte den schnellsten Weg ausfindig zu machen und diesen Weg im Gelände zu finden. Als zweites Hilfsmittel ist nur noch der Kompass erlaubt. Hat man gemäss OL-Karte den richtigen Postenstandort – eine rot-weisse Flagge auf einem Pfahl – erreicht, bestätigt man dies mit dem persönlichen elektronischen Badge. Gewonnen hat, wer am schnellsten alle Posten anläuft.
Von März bis November werden in der Schweiz wie in anderen traditionsreichen OL-Ländern praktisch an jedem Wochenende ein oder mehrere OL-Wettkämpfe angeboten. Die häufigste Wettkampfform ist der Einzel-OL. Daneben finden vereinzelt auch Mannschafts- und Staffelwettkämpfe statt. Beim Einzel-OL gibt es drei verschiedene Disziplinen, die sich vor allem in der Distanz unterscheiden. Für den «Sprint» brauchen die Schnellsten rund 15 Minuten. Für die «Mitteldistanz» rechnet man mit einer Zeit von 30 bis 40 Minuten. Bei der «Langdistanz» können die Eliteläufer 60 oder gar 90 Minuten unterwegs sein. Die Kilometer und Höhenmeter variieren je nach Gelände sehr stark.
Bei OL-Wettkämpfen findet jede und jeder eine passende Kategorie. Neben der Elitekategorie, in der auch das Nationalkader läuft, gibt es Kinder-, Jugend-, Junioren-, Senioren- und Anfängerkategorien – für Frauen und Männer bzw. für Mädchen und Knaben getrennt. Je nach Kategorie unterscheiden sich Anzahl Posten, Streckenlänge und Schwierigkeit der Postenstandorte. OL ist eine echte Familien- und Lifetime-Sportart. Sie kann aufgrund der nur moderaten Beanspruchung bis ins hohe Alter betrieben werden. An den Schweizer Meisterschaften beispielsweise starten stolz neben Simone Niggli-Luder der zwölfjährige Schüler, seine 40-jähringe Mutter und sein 70-jähriger Grossvater im selben Gelände und sogar mit denselben Kontrollposten.
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